Prof. Dr. Dr. h.c. mult.
Theodor Hiepe

3. Juli 1929 — 2. September 2022

Deutscher Tierarzt, Parasitologe und Hochschullehrer an der Humboldt-Universität zu Berlin

Humboldt 1960 Parasitologie
Berlin

Ein Leben für die Parasitologie

„Theo widmete sein gesamtes Leben dem Verständnis und der Lehre des Wesens des Parasitismus."

Theodor Hiepe war einer der herausragendsten deutschen Parasitologen des 20. Jahrhunderts. Seine wissenschaftliche Karriere umspannte über 60 Jahre und hinterließ bleibende Spuren in Veterinärmedizin, Parasitologie und akademischer Bildung.

Mit nur 31 Jahren wurde er auf den Lehrstuhl für Parasitologie der Humboldt-Universität zu Berlin berufen — ein Zeugnis seiner außergewöhnlichen frühen wissenschaftlichen Leistungen. Er betreute 232 Dissertationen und 12 Habilitationen und prägte damit Generationen von Wissenschaftlern.

Zwei Parasitenarten wurden ihm zu Ehren benannt: Eimeria hiepei und Madathamugadia hiepei.

Akademischer Werdegang

1929 Geboren am 3. Juli in Weimar, Thüringen. Aufgewachsen auf einem Bauernhof.
1936–48 Schulbesuch — Volksschule, Oberschule, Abitur. 1944/45 Fronteinsatz als Helfer, amerikanische Kriegsgefangenschaft in Bad Kreuznach.
1948–53 Studium der Veterinärmedizin an der Universität Leipzig.
1953 Promotion zum Dr.med.vet. Thema: „Eine neue Methode zur Knochenmarkgewinnung beim Pferde".
1953–60 Wissenschaftlicher Assistent, ab 1955 Wissenschaftlicher Oberassistent an der Medizinischen Tierklinik, Universität Leipzig. Ab 1956 Cheftierarzt am Zoologischen Garten Leipzig.
1958 Habilitation für Klinische Tiermedizin, Pathophysiologie und Gerichtliche Tiermedizin.
1960 Berufung zum ordentlichen Professor für Parasitologie und Direktor des Instituts für Parasitologie der Veterinärmedizinischen Fakultät der Humboldt-Universität Berlin (im Alter von nur 31 Jahren).
1965–69 Schiffstierarzt und beratender Tierarzt für Schafkrankheiten des ägyptischen Landwirtschaftsministeriums.
1965–90 Präsident der Parasitologischen Gesellschaft der DDR.
1970 Einrichtung eines Forschungslabors für Ektoparasitenbekämpfung in der Mongolei.
1980 Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina (heute Nationalakademie). Von 1986 bis 2001 Obmann/Senator.
1987–93 1. Vizepräsident der Weltvereinigung der Veterinärparasitologen (WAAVP).
1989 Ausrichtung der Weltkonferenz WAAVP in Berlin — als einziges Mal bisher in Deutschland.
1990–93 Dekan der Veterinärmedizinischen Fakultät und Mitglied des Senats der Humboldt-Universität.
1992 Gründungsmitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.
1993–95 C4-Professor für Parasitologie am Fachbereich Veterinärmedizin der Freien Universität Berlin.
1995–2001 Gastprofessor für Allgemeine und Angewandte Parasitologie.
2001– Senior Scientist am Lehrstuhl für Molekulare Parasitologie, Humboldt-Universität Berlin.
2022 Theodor Hiepe verstarb am 2. September 2022 in Berlin im Alter von 93 Jahren. Er wurde auf dem Friedhof der Laurentiusgemeinde in Berlin-Köpenick beigesetzt.

Hauptarbeitsgebiete

Theodor Hiepe prägte die Parasitologie durch seine interdisziplinäre Herangehensweise und seinen unermüdlichen Einsatz in Forschung und Lehre über mehr als sechs Jahrzehnte.

Wesen des Parasitismus Strategie der Parasitenbekämpfung Parasitäre Zoonosen Vergleichende Infektionsmedizin Immunparasitologie Schafkrankheiten Antiparasitika-Forschung Desinfektionsmittel-Prüfung Ektoparasitenbekämpfung Veterinärmedizinische Zoologie

Publikationen & Nachwuchs

325+ Wissenschaftliche Arbeiten
232 Betreute Dissertationen
12 Habilitationen
4 Bände Lehrbuch Parasitologie
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📗
Schafkrankheiten
Fischer Verlag, 1970 · 4 Auflagen · auch ins Spanische übersetzt
📘
Allgemeine Parasitologie
Fischer Verlag, 1981
📙
Veterinärmedizinische Arachno-Entomologie
Fischer Verlag, 1982 (Bd. 2 des Lehrbuchs)
📕
Veterinärmedizinische Protozoologie
Fischer Verlag, 1983 (Bd. 3 des Lehrbuchs)
📓
Veterinärmedizinische Helminthologie
Fischer Verlag, 1985 (Bd. 4 des Lehrbuchs)
📒
Herausgeber & Redaktion
Berl. Münch. Tierärztl. Wschr. · Angew. Parasitologie · Helminthologia · Mh.Vet.med. · medicamentum

Auszeichnungen & Akademien

1980
Leopoldina
Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina (Nationalakademie). 1986–2001 Obmann/Senator.
1984
Dr. h.c. Wien
Ehrendoktorwürde der Universität Wien.
1988
Akad. d. Wiss. DDR
Ordentliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften der DDR.
1989
Hufeland-Medaille in Gold
Höchste Auszeichnung im Bereich Medizin.
1991
Ehrenmitglied Moskau
Ehrenmitglied der Allunionsgesellschaft für Helminthologie, Akademie der Wissenschaften Moskau.
1992
BBAW Gründungsmitglied
Gründungsmitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.
1997
Rudolphi-Medaille
Verliehen durch die Deutsche Parasitologische Gesellschaft.
1999
Ehrenmitglied WAAVP
Ehrenmitgliedschaft der Weltvereinigung der Veterinärparasitologen (Sun City, Südafrika).
2000
Rudolf-Leuckart-Medaille
Prestigiöse Auszeichnung der Deutschen Parasitologischen Gesellschaft.
2001
Dr. h.c. Leipzig
Ehrendoktorwürde der Universität Leipzig.
2001
Bundesverdienstkreuz 1. Klasse
Hohe staatliche Auszeichnung der Bundesrepublik Deutschland.
2012
Ehrenmitglied DPG
Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft für Parasitologie.

Erlebnisse & Erinnerungen mit Theo Hiepe

Kollegen, Schüler und Weggefährten erinnern sich an den Wissenschaftler und Menschen Theodor Hiepe. Klicken Sie auf einen Namen, um den Beitrag zu lesen.

Wirkungsstätten & externe Links

Theodor Hiepe war an mehreren der bedeutendsten wissenschaftlichen Institutionen Deutschlands tätig und Mitglied der höchsten akademischen Gremien. Die folgenden Links führen zu aktuellen Seiten dieser Institutionen.

Akademischer Stammbaum

Theodor Hiepe betreute über seine 35-jährige Laufbahn als Institutsleiter 232 Dissertationen und 12 Habilitationen — eine außerordentliche Zahl, die seinen Einfluss auf Generationen von Parasitologen widerspiegelt. Eine vollständige Liste aller Doktoranden ist im historischen Archiv der Humboldt-Universität verzeichnet.

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Zur Vollständigkeit: Die 232 Dissertationen entstanden zwischen 1960 und ca. 2001 und umfassen Themen aus Helminthologie, Protozoologie, Arachno-Entomologie, Ektoparasitenbekämpfung und Immunparasitologie. Viele Arbeiten sind im historischen Schriftenverzeichnis der Universitätsbibliothek Berlin dokumentiert.
→ edoc-Server HU Berlin (Dissertationsarchiv)
Bekannteste Schülerin
Prof. Dr. Regine Ribbeck
1964 Wechsel an Hiepes Institut · Habilitation 1974 · 1985 Professorin für Parasitologie an der Universität Leipzig · Mitautorin des Lehrbuchs der Parasitologie · Dekanin VMF Leipzig 1995–1996
Wikipedia ↗
Mitautor & Kooperationspartner
Prof. Dr. Richard Lucius
Mitautor „Allgemeine Parasitologie" (2006) · Professor für Molekulare Parasitologie, HU Berlin · Mitorganisator der Gedenkveranstaltung und Bronzebüstenaufstellung
HU Berlin ↗
Mitautor Lehrbuch
Dr. Renate Buchwalder
Langjährige Mitarbeiterin am Institut · Koautorin der Bände 1 und 4 des „Lehrbuchs der Parasitologie" (1981 & 1985)
Mitautor Lehrbuch
Dr. Ruth Jungmann
Mitautorin des Bandes „Veterinärmedizinische Protozoologie" (1983) im vierbändigen Lehrbuch der Parasitologie
Mongolei-Expedition
Dr. H. Splisteser u. a.
Mitarbeiter des Forschungslabors für Ektoparasitenbekämpfung in der Mongolischen Volksrepublik (1970–1990) · Zahlreiche Dissertationen über Hypodermose und Ektoparasiten
Habilitand
12 Habilitationen
Über seine gesamte Laufbahn betreute Hiepe 12 Habilitationsschriften — darunter Regine Ribbeck (1974) und weitere namhafte Parasitologen, die später selbst Lehrstühle übernahmen

Hinweis: Eine vollständige prosopographische Datenbank aller Doktoranden Hiepes ist bislang nicht öffentlich zugänglich. Das Archiv der Humboldt-Universität und die Universitätsbibliothek Berlin verwahren die historischen Dissertationsschriften. Kontakt: ub.hu-berlin.de

„Er war ein außergewöhnlicher Forscher, ein weltbekannter Wissenschaftler, ein engagierter Lehrer und ein großer Mentor. Seine Verdienste um die Parasitologie werden unvergessen bleiben."

Kai Matuschewski · Richard Lucius · Georg von Samson-Himmelstjerna
Parasitology Research, 2023